Working Out Loud

Working Out Loud nennt sich eine spannende Selbstlern-Methode. Wir haben sie bei q.beyond getestet und erste interessante Erfahrungen damit gesammelt.

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Working Out Loud

Agile Methoden, New Work. Für uns als IT-Dienstleister, der andere bei der Einrichtung digitaler Arbeitsplätze unterstützt, ist klar: Wir sind neugierig auf moderne Arbeitsformen und nutzen sie, so oft es geht. Deshalb haben wir in der Personalabteilung die Methode Working Out Loud (WOL) ausprobiert und daraus ein Angebot für alle q.beyond Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemacht.

Bei Working Out Loud handelt es sich um Selbstlernen mit kollegialer Unterstützung – eine Idee, die aus der Graswurzel-Bewegung stammt: Kolleg:innen aus unterschiedlichen Bereichen treffen sich regelmäßig in kleinen Gruppen (sogenannte Circle), um über ihre persönlichen und fachlichen Entwicklungen zu sprechen. So unterstützen sie sich gegenseitig dabei, ihre selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Wichtig ist dabei auch eine standortübergreifende Vernetzung.

Barbara Nuhn (Culture & Development Expert) und Katrin Jesse (New Work Leader/ Culture & Development) haben WOL für q.beyond ausprobiert. Ich habe sie danach gefragt, welche Erkenntnisse sie dabei gewonnen haben und wie die Methode ihnen persönlich weiterhilft:

Wenn du Working Out Loud in einem Satz für dich definieren müsstest, wie würde er lauten?

Katrin: Für mich ist WOL eine innovative Selbstlernmethode, die mich tatsächlich persönlich weiterbringt.

Barbara: Working Out Loud heißt für mich ausprobieren, machen, lachen, lernen in Gemeinschaft – mit wöchentlichen Fortschritten.

Wie bist du zu Working Out Loud gekommen?

Barbara: Norman, du hast mich ja vor zwei Jahren selbst auf einem Sommerfest darauf aufmerksam gemacht. Diesen Impuls verfolgte ich weiter und nahm Kontakt mit Katharina Krentz auf, der WOL-Vorreiterin in Deutschland. Sie machte uns Mut und so starteten wir zu fünft.
Die Kolleg:innen kannten sich kaum und stammten aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen, was sich als großer Mehrwert herausgestellte. Die Power von WOL war schnell spürbar. Jeder beschäftigte sich neben seinem Thema auch mit den Themen der anderen. So entstanden schnell eine enge Verbundenheit und ein vertrauensvoller Wissensaustausch unter den Teilnehmer:innen. Dieses Wir-Gefühl ist auf jeden Fall ein ganz großes Erlebnis.

Katrin: Ich kam auf einem etwas ungewöhnlichen Weg zu Working Out Loud. Bei meinem früheren Arbeitgeber steckten wir mitten in der digitalen Transformation und erhielten die Erlaubnis, von jedem Ort zu jeder Zeit zu arbeiten. Doch wie sollte ich mich in meinem Home-Office optimal organisieren? Ich suchte zu dieser Frage nach Rat und meldete mich zu einem Meetup an. Dort stellte ich fest, dass ich bei einem Working-Out-Loud-Treffen gelandet war. Die Themen waren sehr spannend und die beteiligten Personen sehr interessiert. Daher gründete ich mit einigen anderen Teilnehmenden einen WOL-Circle.

Wie oder worin hat dich Working Out Loud unterstützt?

Katrin: Mein Thema war Selbstwirksamkeit. Ich arbeitete im mittleren Management als Scrum-Master und hatte abends oft das Gefühl, nicht viel geschafft zu haben. Mit der Working-Out-Loud-Methode und meinem Circle lernte ich Methoden kennen, wie man seine Selbstwirksamkeit messen kann. Wenn ich zum Beispiel den ganzen Tag in Meetings verbrachte, hatte ich den Eindruck: Ich habe nur telefoniert und bin am Ende des Tages dennoch geschafft. Dann reparierte ich an einem Wochenende mal einen Fahrradschlauch– und es war ein viel positiveres Erlebnis.

Ein Artikel von Norman Merten
Head of Customer Success

„Ich kann nur jede und jeden ermutigen, solche Formate auszuprobieren.“

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Nicht nur, weil das Loch im Schlauch geflickt war, sondern weil ich mich nützlich fühlte. Dieses Erlebnis teilte ich in den Circle und wir kamen zu der Erkenntnis, dass das eine sichtbar und das andere nicht sichtbar war. Für mich war es ein sehr starkes Learning: Zufriedenheit entsteht, wenn man sieht, was man getan hat. Also sollte jeder sich die Ergebnisse jedes Tages visualisieren.

Barbara: WOL hat mir geholfen, ein Netzwerk aufzubauen und fokussierter mein Ziel zu verfolgen. Ich hatte mir vorgenommen, mich mit agilen Methoden zu beschäftigen und sie für q.beyond anschließend zu adaptieren. Zusätzlich fand ich den Punkt „Sichtbarkeit“ interessant. Am Anfang habe ich mich mit Twitter schwergetan, aber als der Begründer der Methode John Stepper auf einen Tweet antwortete, war ich beeindruckt. Working Out Loud hat für mich einen großen Effekt und der Gemeinschaftsgedanke ist sehr spannend.

Was sind deiner Erfahrung nach typische Themen, die sich für einen WOL-Circle eignen?

Katrin: Grundsätzlich Themen, die man gut in einem Netzwerk erarbeiten kann und die zeitlich in zwölf Wochen integriert werden können. Denn ich habe festgestellt, dass manche Personen den Zeitbedarf überschätzen und Themen tatsächlich sehr schnell erarbeitet sind. Wenn das Ziel z.B. lautet „Ich möchte Programmieren lernen“, geht es darum, ein gutes Tutorial oder ein gutes Programm zu finden. Die Person wäre dann eigentlich schon fertig mit dem Thema und bräuchte hier kein Working Out Loud mehr.

Und welche Themen würdest du in einen Circle mitnehmen?

Barbara: Ich finde es hilfreich, wenn es einen Job-Bezug hat, aber privat stark motiviert ist. So können es gut Themen rund um New Work oder agiles Arbeiten sein. Eine Freundin hat einen Circle gegründet, um sich mit Mural Boards und Sketchnotes intensiver zu beschäftigen. So etwas finde ich auch prima. Ich überlege gerade, ob ich einen neuen Circle über Luhmann, die Systemtheorie und illegale Cliquen eröffne. Judith Muster von der Uni Potsdam forscht zu diesem Thema und hat es auf dem Working Out Load Camp 2019 in Berlin der WOL-Community vorgestellt. Zwei Mitstreiter:innen habe ich schon gefunden.

Welche drei Top-Influencer würdest du empfehlen, um dich über die Methode zu informieren?

Barbara: Das deutsche Gründer-Ehepaar Sabine und Alexander von Kluge & Konsorten. Die beiden haben gerade ein Buch über Graswurzel-Bewegungen veröffentlicht. Katharina Krentz gehört für mich klar zu den wichtigsten Influencern in Deutschland. Außerdem Harald Schirmer und Marc Habenicht.

Katrin: Barbara hat jetzt schon einige meiner Favoriten genannt. Ich kann noch Barbara Hilgert empfehlen, die in Hamburg eine Working-Out-Loud-Ambassadorin ist. Und man kann John Stepper gut folgen.

Danke für das Interview und vor allem danke, dass ihr das Thema bei uns voranbringt! Ich kann nur jede und jeden ermutigen, solche Formate auszuprobieren und damit Aspekte von New Work für die eigene Arbeit zu nutzen.